In der DDR war es üblich, dass Schulklassen, Arbeitskollektive und auch Seminargruppen einmal im Monat von ihren Mitglie-dern einen Solidaritätsbeitrag, ein paar Mark, einsammelten und an das staatliche Solidaritätskomitee abführten. Für die aller-meisten von uns war das eine lästige Pflicht, die ebenso lustlos wie unhinterfragt erfüllt wurde. Auch in meiner Seminargruppe legen alle das Geld schweigend oder leise murrend auf den Tisch.
Eines Tages jedoch wird in diesem Kreis nicht mehr nur gemosert. In einer längeren Diskussion wird die Sinnhaftigkeit derartiger Aktionen hinterfragt und eine zielgerichtete Verwendung des Gel-des bezweifelt. Daraufhin schlage ich vor, diese Soligroschen nicht dem dafür Verantwortlichen in der Universität und somit der Anonymität zu überlassen, sondern persönlich zum DDR-Solidaritätskomitee zu bringen. Gesagt getan: die wenigen Mark werden eingetütet. Zusammen mit einem Kommilitonen fahre ich nach Berlin, um den Umschlag dort Peter Stobinski, dem Leiter der Organisation, zu übergeben.
Wir waren nicht sehr überrascht, dass wir von ihm sehr freundlich und offen empfangen werden. Er informiert uns ausführlich und anhand von Fotos und Berichten über die Verwendung der Spenden.
Noch Jahre später bekommt unsere Seminargruppe regelmäßig Informationen über die Projekte des Solidaritätskomitees.
Im Zuge der Wende möchte der bundesdeutsche Finanzminister Theo Waigel (CSU) die Mittel des Komitees wie das übrige Ver-mögen der DDR dem Haushalt der BRD zuschlagen.
Nach wochenlangen Verhandlungen am „entwicklungspolitischen Runden Tisch“ und durch gesellschaftlichen Druck aus ost-deutschen Solidaritätsgruppen wird erreicht, dass ein Teil des Geldes zur Gründung der Stiftung Nord-Süd-Brücken verwendet wird und somit seinem ursprünglichen Zweck – der solidarischen Haltung vieler DDR-Bürger gegenüber Menschen in der „Zweidrittelwelt“ - zur Verfügung steht.
An diesen Verhandlungen war neben anderen auch Christoph Matschie aus Jena beteiligt.
Bild rechts: Peter Stobinski, Quelle: www.ok-projekt.de
frühe 1980er
Unser erster Kontakt mit dem Solidaritätskomitee




26. Juli 1999
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